„Worte zu Asche“

Einmal monatlich verleiht der Rhetorik-Club Mainz die Auszeichnung „Worte zu Asche“ für eine besonders häßliche, nichtssagende oder phrasenhafte Floskel aus dem öffentlichen Leben. Hier finden Sie die monatlichen Auszeichnungen und die – mit einem Augenzwinkern zu lesenden – jeweiligen Begründungen der Jury.

„Wir müssen jetzt nach vorne schauen“

FEBRUAR 2016

Preisträger: Das Kollektiv der Bundesliga-Trainer

soccerKein Fernseh-Interview, keine Stellungnahme des verärgerten Trainers, wenn die eigene Mannschaft das Spiel mal wieder „vergeigt“ hat ohne die Floskel „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“. Das ist insofern überraschend, als, wie wir alle wissen, der Mensch normalerweise ja zur Seite, nach oben oder rückwärts über die Schulter zu schauen pflegt. Allerdings: Wo ist „vorne“? Da vorne, je nach Ausrichtung des eigenen Körpers, in beliebigen Himmeslrichtungen liegen kann, kann sich durchaus die Situation einstellen, dass, was für den einen „vorne“, für den anderen „hinten“ ist.  Wenn der Trainer also eine Ansprache an die Mannschaft hält, steht er gemeinhin vor ihr und schaut, leicht nachzuvollziehen, in deren entgegengesetzter Richtung. Wenn er also nach „vorne“ schaut“, schaut die Mannschaft nach „hinten“. Der Trainer sollte also, wenn er seine Standpauke hält, hinter der Mannschaft stehen, damit alle dasselbe „vorne“ sehen. Womit auch erklärt wäre, warum die Mannschaft in der Regel nicht versteht, was der Trainer meint, das nächste Spiel wieder in den Sand setzt und der Trainer daraufhin seines Amtes enthoben wird. Deshalb danken wir kollektiv allen Bundesligatrainern für diese äußerst anspruchsvolle und tiefsinnige Floskel „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“ und verleihen ihnen für den Monat Februar die Auszeichnung „Worte zu Asche“.

Wen und welche Äußerung schlägst DU vor für die nächste Auszeichnung „Worte zu Asche“?