Was zeichnet Toastmaster-Clubs aus?

Interview mit Klaus-Ulrich Moeller, Initiator des Neuen Rhetorikclubs Mainz

e6bfd3_59c006c0148b48129caeb477f21902aaDu beschreibst die Athmosphäre in den Toastmaster-Rhetorikclubs als einzigartig. Was meinst du damit?

Klaus-Ulrich: Rhetorikclubs bei Toastmasters sind keine Trainings-Workshops, wie wir sie von vielen Anbietern im Markt kennen. Die Mitglieder lernen voneinander und miteinander. Ich kenne viele Clubs – und überall hat mich diese einzigartige Mischung aus lockerem, freundlichem Umgang miteinander und diszipliniertem Ablauf des Abends überzeugt. Du nimmst aus jedem Abend so viele Impulse mit wie kaum irgendwo anders. Man muss diese Toastmaster-Athmosphäre einfach selber erleben.

Was konkret darf jemand erwarten, der Mitglied im Club wird?

e6bfd3_42b7298b3ea944b1a08fe608379215a1Nun, zunächst sollte man nicht nach Erwartungen fragen, sondern danach, was jemand konkret für sich persönlich, beruflich oder privat, erreichen will. Der eine fühlt sich bei Präsentationen unsicher, der andere möchte Mitarbeiter überzeugender ansprechen, der Dritte strebt eine Karriere als Redner an – für alle bietet der Club die richtigen Antworten: Sicherer werden, Techniken ausprobieren, sich selbst beobachten, Feedback entgegennehmen, Motivation tanken, gemeinsame Interessen ausloten – die Übungsabende sind so vielfältig, dass ich kaum jemanden erlebt habe, der enttäuscht nach Hause geht.

Ist der Rhetorikclub auch ein gutes Business-Netzwerk für Führungskräfte?

Wer vorwiegend geschäftliche Kontakte knüpfen will, ist wahrscheinlich in anderen Netzwerken besser aufgehoben. Das erste Ziel ist das Training und die eigene Fortbildung in allen Fragen, die die Kommunikation, die Rhetorik und das Führungsverhalten angehen. Der Club ist wie eine Art „Peer Group“ – eine moderne Form des selbsterfahrenden Lernens. Er meint, dass bei den Clubabenden keine Fachvorträge gehalten werden wie auf Seminaren, sondern die Gruppe den Motor fürs eigene Lernen bildet.

Toastmasters ist ja auch bekannt für weltweite Redewettbewerbe….

Klaus-Ulrich MoellerIn der Tat, die sogenannten Contests sind die Höhepunkte des Toastmaster-Jahres in den Clubs. Jeweils im Frühjahr und im Herbst messe ich mich, zunächst auf Clubebene, mit anderen Mitgliedern in der freien Rede, der Bewertungsrede oder einer Stegreifrede. Als Sieger kann ich jeweils auf der nächst höheren Ebene teilnehmen. Es gibt dann sogar Europa- und Weltmeisterschaften.

…wobei es dann eben auch Verlierer gibt.

Das wird so nicht empfunden. Dafür ist die Athmosphäre der Unterstützung für jeden Teilnehmer viel zu groß. Toastmasters kennen keine Verlierer. Jeder, der an einem Wettbewerb teilnimmt, ist bereits ein Gewinner – was er an dem typischen Applaus spüren wird, der ihm entgegenschlägt. Wer sich nicht für die nächste Runde qualifiziert, nimmt dennoch genügend Motivation mit, es im nächsten Jahr wieder zu probieren. Sich etwa auf Europaebene mit Rednern aus dem ganzen Kontinent zu messen – das ist natürlich sehr anspruchsvoll, das ist vor Ort dann nervenaufreibend, aber auch ein Test: Kann ich im Moment der höchsten Wichtigkeit mein größtes Potential abrufen? Darin ähneln Toastmaster-Redner durchaus Sportlern.